Der Leib Christi, die Gemeinde,
Ausdruck von Gottes Herrlichkeit
IV. Die Hoffnung der Herrlichkeit
(Kol. 1:27)
In der letzten Versammlung hatten wir darüber gesprochen, dass Christus in uns Gläubigen lebt. Das ist ein Geheimnis, das uns Gott offenbaren möchte. Das zu erkennen, verändert unser persönliches Christenleben und hat Einfluss auf unser Gemeindeleben.
Mit diesem Geheimnis ist eine Hoffnung verbunden - die Hoffnung der Herrlichkeit (Kol. 1:27). Vielleicht ist Herrlichkeit für uns nur ein abstrakter Begriff. Was verbinden wir damit? Auf einer Wolke sitzen und Harfe spielen? Ist unsere Hoffnung, von der ewigen Verdammnis gerettet zu sein und in den Himmel zu gehen? Wir sollten Gott fragen, was er damit verbindet. Vielleicht lebe ich viele Jahre ein Christenleben mit einer Hoffnung, die gar nicht mit Gottes Anliegen übereinstimmt.
Menschliche Herrlichkeit vergeht
Die Hoffnung, um die es geht, hängt damit zusammen, dass Christus in uns lebt. Deshalb haben die Menschen der Welt eigentlich keine wirkliche Hoffnung, da sie Jesus Christus nicht aufgenommen haben. Sie streben nach einer menschlichen Herrlichkeit, die vergänglich ist. Sei es in der Gesellschaft, im Sport, in der Kunst, in der Musik, im Beruf oder auch in der Religion – die Menschen suchen ihre eigene Herrlichkeit, streben nach Ehre und Anerkennung. Aber die Herrlichkeit der Welt vergeht (1.Petr. 1:24). Junge Sportler investieren ihre ganze Zeit und Energie, um einmal der beste der ganze Welt zu sein. Und wenn es jemand tatsächlich einmal geschafft haben sollte, hat er im folgenden Jahr nichts mehr davon. Auch in anderen Sportarten riskieren junge Menschen ihre Gesundheit für einen Ruhm, der nur ein paar Jahre anhält. Anschließend sind sie vielleicht für ihr weiteres Leben gesundheitlich geschädigt. Ihre Herrlichkeit verwelkt und ist dahin.
Wofür wollen wir unsere Zeit, Kraft und Energie investieren? Gott hat für uns eine Herrlichkeit vorgesehen, die nicht vergeht – eine viel bessere Herrlichkeit als die der Welt. Diese Herrlichkeit hängt mit Christus zusammen, der in uns wohnt. Es geht um die Herrlichkeit, die Gott für uns vorbereitet hat. Dafür lohnt es sich, unsere Zeit zu investieren.
Herrlichkeit verursacht eine Reaktion
Ich versuche mal zu beschreiben, was ich mit Herrlichkeit verbinde. Wenn jemand etwas als herrlich wahrnimmt, gibt es eine starke Reaktion in ihm. Man ist begeistert und drückt es auch aus: „Wow, ist das herrlich!“ So etwas sagt man nicht über gewöhnliche Dinge, z.B. über eine Currywurst mit Pommes. Das Menü muss schon mehr aufweisen. Es muss die Sinne beeindrucken. Es reicht nicht aus, dass es nur gut schmeckt. Es hat etwas Besonderes an sich. Sei es der Geschmack, Aussehen, Geruch oder eine Kombination von allem, was es zu einem einzigartigen Erlebnis macht. Es ist der Gesamtausdruck, der solch eine Reaktion hervorruft. Jeder der so etwas erfahren hat, drückt es auch aus. Man sieht es ihm an. Es ist ein Ausdruck zu erkennen. Wenn uns Gott erscheint und uns zeigt, was er mit uns vorhat, verändert es uns. Wir sind davon ergriffen. Wir werden nicht einfach so da sitzen und sage: „Ja, ja, ist ja ganz interessant.“
Denkt an Abraham. Es heißt, der Gott der Herrlichkeit erschien Abraham als er in Ur in Chaldäa war. Gott offenbarte ihm, was er mit ihm vorhatte. Das war der Anfang von seiner Geschichte mit Gott. Nicht Abraham hat sich etwas ausgedacht, was er aus seinem Leben machen könnte. Es war nicht Abraham, der auf die Idee kam, mal etwas Neues auszuprobieren und auszuziehen mit der Haltung: „Mal schauen was kommt.“ Es ging von Gott aus, vom Gott der Herrlichkeit. Gott sprach zu ihm: „Mach dich auf. Verlasse dies Land und deine Verwandtschaft. Folge mir nach. Ich will dich in ein Land bringen, das ich dir zeigen will.“ Es ist so ähnlich wie bei den Jüngern, als Jesus ihnen erschien, während sie am Meer beim Fischen waren. Jesus sprach: „Auf, folgt mir nach! Ich will euch zu Menschenfischern machen!“ Es war nicht die Idee der Jünger. Sie waren dort eigentlich mit ihrem Leben zufrieden, so wie Abraham auch. Aber wenn der Gott der Herrlichkeit erscheint, verändert sich was. Und jeder sieht diese Veränderung. Es gibt eine sichtbare Reaktion, weil der Gott der Herrlichkeit erschienen ist.
Ich möchte den jungen Leuten ein Beispiel geben. Nehmen wir an, du sitzt zu Hause in deinem Zimmer und deine Mutter ruft dich zum Essen. „Komm, das Essen ist fertig.“ Sehr oft gibt es keine Reaktion. Man ist so beschäftigt. Man sagt „gleich“, aber nichts passiert. Aber wenn du riechst, dass es dein Lieblingsgericht ist, das deine Mutter gekocht hat, wirst du sofort reagieren. Dir ist die „Herrlichkeit“ erschienen, du riechst es und empfindest etwas, das dich zieht.
Als ich als Jugendlicher in das Gemeindeleben kam, war ich gezogen, mich dem Herrn ganz hinzugeben. Ich brannte für den Herrn. So wie auch andere junge Leute, die mit mir im Gemeindeleben waren. Das kam nicht durch die Erkenntnis einer richtigen Lehre. Sondern die Herrlichkeit, die im Gemeindeleben sichtbar war, die hatte uns gefangen. Niemand von uns konnte ruhig bleiben. Wir mussten reagieren, Gott loben und danken.
Auch wenn wir anderen das Evangelium bringen, geht es nicht darum, nur die richtigen Worte zu finden, um sie zu überzeugen. Vielmehr soll durch unser Zeugnis der Gott der Herrlichkeit den Menschen begegnen und sie berufen, ihm zu folgen.
Der Ausdruck von Gottes Leben in uns Menschen ist Herrlichkeit
Die Herrlichkeit ist so wichtig. Sie ist der Ausdruck von Gottes Leben in uns Menschen. Als das wahre Leben in Jesus Christus sichtbar wurde, erschien die Herrlichkeit Gottes den Menschen. Johannes berichtet uns davon. „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und das Wort war Gott. In ihm war das Leben. Und das Wort wurde Fleisch und zeltete unter uns und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des Einziggeborenen vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“ (Joh. 1:1,4,14). Dann schreibt er weiter: „Was von Anfang an war, was wir gehört haben, was wir gesehen haben mit unseren Augen, was wir beschaut haben und unsere Hände betastet haben, vom Wort des Lebens – und das Leben ist offenbart worden, und wir haben gesehen und bezeugen und verkündigen euch das ewige Leben, das bei dem Vater war und uns offenbart worden ist.“ (1.Joh. 1:1-2).
Wenn das Leben Gottes in einem Menschen sichtbar wird, dann wird die Herrlichkeit Gottes sichtbar. Dadurch werden Menschen zu Gott gezogen. Egal wo Jesus sich aufgehalten hat oder was er gemacht hat, Menschen wurden berührt und zu Gott hingezogen. Egal ob er Dämonen ausgetrieben, den Jüngern die Füße gewaschen oder nur mit den Zöllnern gegessen hatte, es hatte immer eine Auswirkung auf die Mitmenschen.
In diesem Leben Gottes liegt auch eine Vollmacht, die sichtbar wird. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten samt den Ältesten hatten Jesus einmal nach der Vollmacht gefragt, aus der er handelt (Luk. 20:1-2). Auch heute interessieren sich viele dafür, aus welcher Bibelschule ein Prediger kommt, sie wollen wissen, woher er seine Lehren hat bzw. von wem er man ausgebildet oder beauftragt worden ist. Die Menschen haben gemerkt, Jesus lehrt anders als sie es gewohnt waren. Alle Menschen waren davon beeindruckt. „Und es geschah, als Jesus diese Worte vollendet hatte, erstaunte die Volksmenge sehr über seine Lehre, denn er lehrte sie wie einer, der Vollmacht hat, und nicht wie ihre Schriftgelehrten.“ (Mt. 7:28-29). Auch das ist Herrlichkeit.
Unsere Bestimmung liegt darin, dieses Leben noch besser kennenzulernen. Wir wissen oft gar nicht, was wir empfangen haben, wie viel Herrlichkeit damit verbunden ist. Das sieht man nicht unbedingt selber, aber andere können es an einem erkennen. Das bedeutet nicht, dass wir in der Schule oder in der Arbeit immer mit einem Lächeln auf den Lippen herumlaufen. Aber wenn wir dieses Leben Gottes berühren, bewirkt es etwas an uns, was andere durchaus wahrnehmen.
Es hängt nicht von unseren Gefühlen ab
Als ich gleich nach der Schule in das Gemeindeleben umgezogen bin, wohnte ich mit anderen Gläubigen zusammen. Wir nannten es „Brüderhaus“. Wir waren acht oder neun junge Männer. Jeder war in seiner Weise irgendwie eigen. Meine Erwartung war, dass wir keine Probleme miteinander haben würden, da es uns allen ja nur um Christus ging. Obwohl wir auf Christus ausgerichtet waren, gab es dennoch Situationen im Zusammenleben, die einem zu schaffen machten. Es war in gewisser Weise auch ein Leiden für mich. Nach einigen Monaten ergab es sich, dass ich einige meiner alten Klassenkameraden auf einem Treffen in meiner Heimatstadt wiedergesehen hatte. Sie kannten alle meine Begeisterung für Christus und die Gemeinde. Als wir zusammensaßen, dachte ich mir, hoffentlich fragen sie mich jetzt nicht danach, wie es mir im Gemeindeleben geht. Kaum hatte ich den Gedanken gehabt, kam auch schon die Frage: „Wie geht es dir eigentlich dort im Gemeindeleben?“ Ich schaute innerlich zum Herrn und sagte: „Herr, was soll ich ihnen nur sagen? Lügen kann ich nicht, klagen will ich nicht. Ich möchte doch ein Zeugnis für dich sein.“ Während ich innerlich dies zum Herrn betete, sagte eine andere Person: „Warum fragst du? Schau ihn dir doch mal an. Das kann man ihm doch ansehen!“ Ich seufzte zum Herrn: „Herr, ist es wirklich so schlimm?“ Da hörte ich ihn weiter sagen: „Du siehst doch wie er strahlt!“ Ich wusste nicht, wie mir geschah. Sofort musste ich aufspringen und mir einen Spiegel suchen. Ich wollte wissen, was man an mir gesehen hat.
Das, was wir vom Herrn haben, kommt auch zum Ausdruck, egal wie wir uns fühlen. Ich muss nicht immer nur fröhlich sein. Das Leben des Herrn ist in uns real. Wir müssen uns nur darum kümmern, dann kommt es auch zum Ausdruck. Dieser Ausdruck besitzt eine gewisse Herrlichkeit.
Wir sind Kinder Gottes, weil wir sein Leben empfangen haben. Gott ist unser Vater. Im Epheserbrief wird er auch „der Vater der Herrlichkeit genannt“ (Eph. 1:17). Wir sind uns oft nicht bewusst, wessen Kinder wir sind. Wir sind Kinder der Herrlichkeit. Das ist unser Stand. Wir müssen lernen, das auch in Anspruch zu nehmen. Deswegen heißt es in Epheser 1 Vers 18, dass wir einen Geist der Weisheit und der Offenbarung brauchen, um unseren Vater völliger zu erkennen. Auch brauchen wir erleuchtete Augen unseres Herzens, um die Hoffnung seiner Berufung zu erkennen. Der Vater der Herrlichkeit möchte seine vielen Söhne in die Herrlichkeit führen. Dafür hat er uns seinen Sohn gegeben und ihn durch Leiden vollendet. Damit er, wie es in Hebräerbrief 2 Vers 10 heißt, die vielen Söhne als Herzog ihrer Errettung in die Herrlichkeit führt. Das Ziel unserer Errettung ist die Herrlichkeit, indem wir Christus folgen. Sein Leben ist heute in uns.
Die Herrlichkeit des Herrn anschauen
Wir sollten immer wieder Zeit mit dem Herrn verbringen, um seine Herrlichkeit mit den Augen unseres Herzens anzuschauen. Das hat eine Auswirkung. Im zweiten Korintherbrief heißt es in Kapitel 3 Vers 18 „Und wir alle, die wir mit aufgedecktem Angesicht die Herrlichkeit des Herrn schauen und widerspiegeln, werden umgewandelt in dasselbe Bild von Herrlichkeit zu Herrlichkeit als von dem Herrn Geist.“ Es gibt für uns immer noch mehr Herrlichkeit zu gewinnen! Wir nehmen Anteil an seiner Herrlichkeit, sie wird in uns eingewirkt durch seinen Geist, durch sein Leben.
Auch ist es wichtig, mit welchen Augen wir unsere Geschwister im Herrn anschauen. Wir dürfen uns nicht oberflächlich betrachten, wir müssen tiefer schauen. Wir sind alle Heilige, weil uns Jesus für Gott mit seinem Blut erkauft hat und sein Geist in uns wohnt. In Epheser 2 Vers 18 lesen wir, dass in den Heiligen ein Reichtum der Herrlichkeit seines Erbes verborgen liegt. Wir müssen es nur erkennen. Es gibt bereits viel Herrlichkeit in uns, die es zu entdecken gilt. Das ist unser Gemeindeleben.
Herrlichkeit ist uns für die Einheit gegeben
Dann gibt es noch einen wichtigen Aspekt. Die Herrlichkeit ist auch so entscheidend für die Einheit unter uns Gläubigen. Wir können nicht eins sein, wenn wir diese Herrlichkeit nicht sehen, die er uns gegeben hat, und damit nichts anfangen können, sie nicht erfahren. In Johannes 17 betet Jesus in Vers 22 zum Vater: „Und die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben, damit sie eins seine, wir wir eins sind.“ Wir dürfen nicht vergessen, sein Leib besteht heute auf dieser Erde durch uns Gläubige, die wir eins sind. Wir sind die Glieder seines Leibes. Wenn die Glieder aber von einander abgetrennt sind, dann ist der Leib weg. Daher hatte der Herr Jesus dieses starke Anliegen geäußert und ganz besonders für die Einheit unter den Gläubigen gebetet. Er betet nicht nur für seine Jünger, sondern „auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, dass sie alle eins seien, so wie du Vater in mir und ich in dir.“ (Joh. 17:20-21). Es ist sein Herzensanliegen.
Die Herrlichkeit ist eine Voraussetzung für die Einheit. Wenn wir in unserem Selbst sind, ist das nicht so herrlich. Unsere eigene Herrlichkeit schafft keine Einheit. Wir brauchen diese Herrlichkeit, die bei Gott dem Vater war und die er seinem Sohn gegeben hat. Auch sein Tod hat mit seiner Herrlichkeit zu tun. Seine Auferstehung hat mit seiner Herrlichkeit zu tun. Seine Auffahrt hat mit seiner Herrlichkeit zu tun. Und diese Herrlichkeit hat er uns gegeben - damit wir eins sind. Nur mit dieser Herrlichkeit ist Einheit möglich.
Wenn wir die Herrlichkeit verpassen, ist alles nur anstrengend. Wir können versuchen, eine Einheit zu organisieren. Wir schaffen ein Netzwerk, eine Ökumene oder eine Allianz und nennen es Einheit. Aber das ist niemals das, wofür Jesus gebetet hat. „Dass sie eins sein, wie wir eins sind.“
Dann betet Jesus weiter „Vater, ich will, dass da, wo ich bin, auch die bei mir sind, die du mir gegeben hast“. Warum sollen wir dort sein? „Damit sie meine Herrlichkeit sehen, die du mir gegeben hast.“ (Joh. 17:24). Das ist der Wunsch des Herrn, sein Gebet, dass wir seine Herrlichkeit sehen. Das ist so wichtig. Denn wenn wir sie sehen, geschieht mit uns eine Veränderung – wir werden in dasselbe Bild umgewandelt (2.Kor. 3:18). Dann können wir die Einheit untereinander festhalten.
Wenn wir diese Verse in uns wirken lassen, werden wir erkennen, es geht um mehr als nur darum, dass jeder für sich Herrlichkeit gewinnt. Es geht viel weiter. Die Herrlichkeit umfasst größere Dimensionen als nur uns einzelne Gläubige in unserer persönlichen Beziehung zum Herrn. Es geht um die Einheit miteinander. Es geht um den Leib Christi. Hier ist ein unfassbarer Reichtum an Herrlichkeit vorhanden. Lobt den Herrn für diese Hoffnung der Herrlichkeit.
Olaf Sommer
4. Mitteilung einer Wochenendkonferenz in Bonn
vom 31. Oktober bis 03. November 2024