Der Leib Christi, die Gemeinde, Ausdruck von Gottes Herrlichkeit
VI. In der Liebe Christi werden wir zur ganzen Fülle gebracht, indem wir zusammengefügt werden
In diesen Tagen haben wir Gemeinschaft über Verse im Kolosserbrief. Wir möchten Gottes Sprechen hören und sein Anliegen ergreifen. Wir haben bisher gesehen, dass Christus das Zentrum von allem ist. Weiterhin haben wir gesehen, dass Christus uns als das Haupt des Leibes gegeben worden ist. Es geht nicht nur um Christus, sondern auch um seinen Leib. Das ist wichtig zu erkennen. Denn das ist Gottes Zielrichtung in seinem Werk. Der Leib ist die Gemeinde. Sie ist nicht nur wie ein Leib, sondern sie ist sein Leib.
Der Vater hat alles in Christus investiert und ihn dann als Haupt über alles der Gemeinde gegeben, welche sein Leib ist (Eph. 1:22-23). Alles was wir brauchen, finden wir in Christus. Für unser Christenleben oder das Gemeindeleben brauchen nicht noch andere Dinge neben Christus. Wir müssen ihn nur noch besser kennenlernen. Er ist völlig ausreichend. Mit ihm hat Gott uns alles geschenkt. Indem wir Christus erfahren und gewinnen, bringt Gott den Leib Christi hervor. Alles, was er uns in Christus gibt, ist für den Aufbau des Leibes gedacht. Das ist sein Anliegen. Unsere Errettung ist für den Leib Christi. Er reinigt, heiligt und rechtfertigt uns, damit er den Leib aufbauen kann. Wir müssen ihm nur unser Herz öffnen und müssen nicht selber versuchen, etwas zu produzieren. Christus lebt in uns und wir geben ihm Raum in unserem Herzen. Er wird uns reichlich versorgen, damit es seinem Leib zugute kommt. Wir sind für den Aufbau seines Leibes hier.
Jesus Christus hat für seinen Leib alles vollbracht
Jetzt geht es darum, das Werk Christi noch besser kennenzulernen, es noch reicher zu erfahren. Sein Tod am Kreuz ist nicht allein für unsere Sündenvergebung geschehen. Das ist für mich persönlich sehr wichtig. Aber für den Aufbau des Leibes muss ich noch mehr vom Tod Christi ergreifen als die Sündenvergebung, nämlich dass auch ich mit ihm gestorben bin. Jesus Christus hat unseren alten Menschen mit in seinen Tod hineingenommen. Durch die Taufe sind wir mit ihm begraben worden (Röm. 6:3-4). Im Glauben mache ich mich nun damit eins. „Amen. Ich bin mit Christus gestorben!“ Durch unsere Taufe sind wir in seinen Tod hineingetauft, damit der Leib Christi aufgebaut werden kann. Sonst ist Aufbau nicht möglich und es gibt nur Probleme. Sein Tod ist unsere Lösung. Deshalb wollen wir in seinem Tod bleiben und darin sogar verwurzelt sein.
Die Erfahrung von seinem Tod brauchen wir jedoch nicht, wenn jeder von uns seinen eigenen Weg einschlägt. Dann sind wir zwar alle für Christus, können aber nicht miteinander eins sein. Jeder von uns hat seine eigene Gruppe und denkt, es sei alles in Ordnung, da wir ja alle für Christus sind. Aber Christus geht es um seinen Leib. Wo ist er sichtbar? Der Leib wird jedoch nicht sichtbar, wenn wir alle im alten Menschen leben. Wir glauben zwar alle an Jesus Christus und sind wiedergeboren, aber unseren alten Menschen legen wir nicht ab. Wir haben sogar kein Empfinden, ihn ablegen zu müssen. Vielmehr pflegen wir ihn und möchten unsere guten Seiten für Gott einsetzen. Aber nicht nur die negativen sondern auch die positiven, die guten Seiten sind mitgestorben. Das ist Befreiung! Vielleicht denken wir, die Sünden sind das Hindernis. Der alte Mensch ist jedoch ein viel größeres Hindernis. Niemand möchte etwas mit der Sünde zu tun haben. Davon möchten wir alle frei werden. Aber wie sieht es mit dem alten Menschen aus? Auch der gute alte Mensch zerstört den Aufbau des Leibes Christi.
Wir alle müssen lernen, das Kreuz umfassender anzuwenden. Dafür haben wir das Gemeindeleben. Hier gibt Gott mir Situationen, in denen ich realisiere, dass ich noch mehr Errettung von meinem alten Menschen benötige. Das schließt die Errettung von meinem guten alten Menschen mit ein. Meine Fähigkeiten, mein korrektes Schriftverständnis oder meine Vorlieben können Hindernisse sein, mit anderen zusammengefügt zu werden. „Herr, rette mich von meinem alten Menschen.“ Wir müssen das Kreuz in seiner vollen Bedeutung schätzen.
Ich bin mit Christus auch auferweckt worden. Daher kann ich jetzt in der Neuheit seines Lebens wandeln. Sein Auferstehungsleben ist durch seinen Geist in mich hineingekommen. Wir haben den Geist, um nun durch den Geist zu leben. Wir müssen den Geist im Glauben berühren und für den Aufbau seines Leibes durch ihn leben.
Diese beiden Erfahrungen hängen zusammen: sein Tod und seine Auferstehung. Wenn ich erfahre, wie mein alter Mensch im Tod Christi bleibt, dann erfahre ich gleichzeitig seinen Geist mit seiner Auferstehungskraft. Ich lobe den Herrn, wir sind nicht schwach in Christus. In Christus haben wir Kraft. Es ist weniger eine Kraft, um große Werke zu vollbringen, sondern eher eine Lebenskraft, um Christus zu leben. Sie wird durch den Glauben aktiviert.
Solch ein Leben brauchen wir, um miteinander zusammengefügt zu werden. Das ist die Einheit, durch die Gott verherrlicht wird. Wir werden nicht zusammengefügt, indem wir ein Verhaltensschema befolgen oder Lehrmeinungen vertreten. Christus muss unser Leben sein. Es geht nur über die Erfahrung, dass Jesus Christus tatsächlich in mir lebt und ich durch ihn. Das Leben ist so entscheidend.
Unsere Entscheidung ist wichtig
Manche mögen denken, der Leib ist schon da, nur weil man Christ ist. Aber der Leib ist nicht da, nur weil ich das Leben habe. Ich habe das Leben, damit ich ein Glied des Leibes sein kann, damit der Leib hervorkommen kann. Aber dafür müssen wir zusammengefügt werden. Man muss es sehen. Sonst ist es nur Theorie. Ich lege mir alles so schön zurecht. Ich lebe zwar nicht Christus, meine aber, der Leib sei da. Wo kommt der Leib her? Damit der Leib zusammengefügt und aufgebaut wird, braucht es unsere Bereitschaft und unsere Mitarbeit. Der Herr hat sich von unserer Willigkeit abhängig gemacht. Wie schon im Garten Eden. Wenn ich nicht will, kann Gott nichts machen.
Gott hat alle Menschen geliebt, Jesus Christus ist für alle Menschen gestorben (Joh. 1:29; 3:16). Aber solange ich es nicht annehmen will, habe ich nichts davon, dann bleibt es für mich unwirksam. Solange ich es nicht annehmen will, kann Gott mich nicht erretten. Unser Wille ist so entscheidend. Was wollen wir?
Als ich eines Tages bereit war, seinen Namen anzurufen und Jesus als meinen Retter anzunehmen, habe ich sofort seine Wirklichkeit erfahren. Gott hat nicht gezögert, mir den ganzen Zustrom des Geistes zu geben. Ich habe mich im Glauben auf die Tatsachen gestellt und wurde mit dem Geist erfüllt. Es brauchte nur meine Bereitwilligkeit.
Genauso ist es mit dem Aufbau des Leibes Christi. Es braucht unsere Bereitschaft, das anzunehmen, was Gott in Christus gewirkt hat. Dann werden wir die Wirklichkeit erfahren. Dies zeigen auch die Verse in Epheser 4 Verse 1 bis 6. „So ermahne ich euch nun, ich der Gefangene in dem Herrn, dass ihr der Berufung würdig wandelt, mit der ihr berufen worden seid … eifrig bestrebt, die Einheit des Geistes zu halten durch das Band des Friedens.“ Das zeigt, es braucht unsere Mitarbeit, diese Einheit zu halten, die Gott in Jesus Christus bereits geschaffen hat. Es heißt nicht, dass wir die Einheit herstellen sollen, sondern wir sollen sie nur noch halten. Da wir aber den Geist zu wenig kennen, leben wir in unserem alten Menschen. Dies führt immer wieder zur Trennung. Dennoch reagiert der Geist in uns und bezeugt in unserem Gewissen, dass es so nicht in Ordnung ist. Innerlich wissen wir, dass wir eins sein sollten. Ohne unsere Bereitschaft, mit dem Geist zusammenzuarbeiten, geht das aber nicht.
Es gibt nur ein Haupt
In Vers 15 heißt es dann, dass wir in Christus, der das das Haupt ist, hineinwachsen müssen. „Lasst uns aber die Wahrheit festhalten in der Liebe uns so wachsen in allen Stücken hinein in ihn, der das Haupt ist, Christus, aus welchem der ganze Leib, zusammengefügt und zusammengehalten durch jedes Gelenk der Darreichung, gemäß der Wirksamkeit in dem Maß jedes einzelnen Teiles, das Wachstum des Leibes vollzieht zur Auferbauung seiner selbst in Liebe“ (Eph. 4:15-16).
Unsere Mitarbeit hat zwei Seiten. Auf der einen Seite wächst jeder persönlich in das Haupt hinein. Auf der anderen Seite werden wir miteinander zusammengefügt und auch zusammengehalten. An unserer Einheit erkennen wir, dass wir wirklich in Christus als das Haupt hineinwachsen.
In der letzten Mitteilung haben wir gesehen, dass es im Leib nur ein einziges Haupt gibt und keine Zwischenhäupter oder Nebenhäupter. Wir würden alle in Panik geraten, wenn jemand von uns mehrere Häupter hätte. Es gibt keine Hierarchie. Alle Glieder sind gleich, sie haben nur unterschiedliche Funktionen. Es geht auch nicht um eine Position. Ja, die Nase ist oben. Aber wenn du sie zu hoch hältst, kannst du stolpern. Du brauchst genauso deinen Fuß, der ganz unten ist. Als Glieder des Leibes haben wir alle die gleiche Bestimmung, nämlich in Christus als das Haupt hineinzuwachsen. Christus ist nicht ein Haupt wie ein General von einer Armee, nicht wie ein Hauptmann, der Befehle erteilt. Er ist das Haupt des Leibes. Die Steuerung kommt vom Haupt über das Fließen des Lebens unter allen Gliedern. Es ist harmonisch, vieles läuft sogar unbewusst ab. Wir können miteinander eins sein, weil wir alle in das Haupt hineinwachsen und uns untereinander in Liebe mit Leben dienen. Durch diese Einheit wird der Leib Christi sichtbar.
Füreinander beten
Dann hatten wir in der letzten Mitteilung auch gesehen, wie wichtig es ist, füreinander zu beten. Jeder von uns ist wichtig und jeder braucht Gebet. Vielleicht ist es nicht immer so einfach, für die anderen zu beten. Aber wir können es üben. Dabei geht es nicht darum, für die Lösung von Problemen zu beten. Wir sind leider zu oft problemorientiert. Vielmehr geht es um die Herzen, für die wir beten sollten. Auch wenn jemand keine Probleme hat, braucht er unser Gebet. Wir beten dafür, dass der Geist gestärkt wird, Jesus in den Herzen wohnen und sich Raum schaffen kann. Unsere Herzen müssen auch getröstet und ermutigt werden. Der Glaube und die Liebe müssen zunehmen. Es gibt so viel füreinander im Gebet einzustehen. Wenn wir nur wegen der Probleme beten, bedeutet dies nicht, dass auch die Herzen für Christus offen sind, selbst wenn alle Probleme gelöst sind. Dann gibt es keine Probleme mehr, aber jeder geht seinen eigenen Weg. Für den Aufbau des Leibes, braucht es bereitete Herzen. Es sind die Herzen, die in Liebe zusammengefügt werden. Natürlich sollen wir die Nöte der Geschwister im Gebet auch tragen. Aber unsere Ausrichtung sollte nicht verschoben werden – nicht die Probleme sind im Fokus, sondern der Aufbau miteinander. Deshalb geht es so sehr um unser Herz. Auch Gottes Feind, der Teufel, will unser Herz in Beschlag nehmen – sei es durch Sorgen oder durch Wünsche. Deswegen ist es auch ein Kampf, den wir im Gebet führen. Denn unser Herz ist umkämpft.
Schauen wir uns dazu mal in Epheser 3 die Verse 16 bis 19 an. Hier sehen wir, wie Paulus im Gebet für die Heiligen kämpft. Was für ein Gebet betet er hier? Es mag sein, dass sie auch Probleme hatten, aber Paulus betet, dass sie von Gott mit Kraft nach dem Reichtum seiner Herrlichkeit durch seinen Geist in den inwendigen Menschen hinein gestärkt werden. Was für ein Gebet! Beten wir auch so füreinander? Lasst uns füreinander beten, dass wir mit Kraft gestärkt werden im inwendigen Menschen. „Vater, stärke meinen Bruder und meine Schwester nach dem Reichtum deiner Herrlichkeit!“ Was für eine Stärkung! Das hat eine Auswirkung. Das geschieht durch den Geist. Diese Stärkung ist wichtig, dass Christus durch den Glauben in unseren Herzen wohnen kann. Lasst uns auch darin füreinander beten. Denn nur so werden wir in der Liebe Christi verwurzelt und gegründet.
Christus, der in meinem Herzen wohnt, hat eine Liebe für alle Heiligen. Seine Liebe ist in uns und kommt zum Ausdruck. Daher lieben wir auch alle Geschwister im Herrn. Wir haben nicht nur Liebe, wir sind in ihr sogar gewurzelt und gegründet. Das gibt Stabilität. Es braucht diese Festigkeit in seiner Liebe, um in Einheit zusammengefügt und auch zusammengehalten zu werden. Daher können wir auch mit allen Heiligen den ganzen Reichtum Christi erfassen, seine Breite, Länge, Höhe und Tiefe. Ohne diese Einheit mit den Heiligen zu haben, geht das nicht. Nur auf diese Weise können wir auch die Liebe Christi wirklich erkennen und sogar zur ganzen Fülle Gottes erfüllt werden. Wenn wir in Einheit zusammengefügt sind, kommt dieser Ausdruck hervor – die ganze Fülle Gottes. Das ist unfassbar und doch Gottes Plan.
Der Feind will uns von dieser Erfahrung abhalten. Daher müssen wir stark sein, um Christus gemeinsam zu erfassen. Sonst kommen störende Gedanken hoch, entweder über mich selber oder über andere. Dann ziehe ich mich zurück oder will den anderen nicht mehr sehen. „Herr, stärke meinen Geist. Mache Wohnung in meinem Herzen.“ Es braucht Übung, zusammenzukommen und gemeinsam Christus zu erfassen. Es fällt uns leichter, zusammenzukommen und über vieles zu reden. Das ist manchmal auch nötig. Für den Aufbau müssen wir aber vielmehr üben, gemeinsam Christus zu erfassen, ihn im Wort und in unserer Gemeinschaft zu berühren. Es gibt Themen, zu denen jeder etwas zu sagen hat, es sprudelt einfach aus uns heraus. Wenn dann jemand sagt „Lasst uns doch mal beten“, ist es plötzlich ganz still. Dann kommt vielleicht „Herr, ich danke dir für alles. Amen“. Mehr haben wir dann vielleicht nicht zu beten. Es ist eine Übung, den Herrn gemeinsam zu berühren, auch im Gebet.
Fange an, für dich selber zu beten, dass der Geist dich füllen möge, die Liebe in dir zum Herrn zunehmen soll etc. Später wirst du entdecken, dass es noch andere gibt außer dir, die auch diesen Bedarf haben. Dann bete auch für sie. Oder bete für Gottes Vorsatz, dass er ihn uns offenbaren und ihn mit uns ausführen möge. „Vater, nimm uns für deinen Vorsatz. Ich gebe mich dir hin.“ Aber mach dir keine Konzepte, die dich hindern zu beten. Öffne dein Herz und bete! Du kannst auch das Gebet von Paulus nehmen und es zu deinem Gebet machen. Es gibt so viele Möglichkeiten. Wir müssen nur üben.
Wie wir gesehen haben, gibt es im Leib nur ein Haupt, das ist Christus. In ihn wollen wir hineinwachsen, auch in unseren Gebeten. Es gibt keine „Zwischenhäupter“ in die wir hineinwachsen wollen. Jeder kann mit seinem Anliegen direkt mit dem Haupt Gemeinschaft haben. Es ist nicht verkehrt, mit anderen Geschwistern über seine Anliegen Gemeinschaft zu haben, aber diese Geschwister können niemals und sollten niemals das Haupt ersetzen. Vielmehr sollten sie denjenigen stärken, der sich an sie gewendet hat, zu Christus zu kommen und ihn als Haupt festzuhalten. Wir brauchen solch eine gegenseitige Ermutigung.
Es gibt Gruppen, bei denen sich der Pastor als Haupt sieht. Jeder muss mit seinem Anliegen zum Pastor kommen und seine Anweisungen befolgen. Man muss ihn fragen und auf ihn hören, wenn man heiraten möchte oder wenn man sich eine Arbeit sucht. Jeder von uns sollte aber lernen, mit allem selber zum Herrn zu kommen.
Es geht um unser Herz
Der Herr geht auch nicht über unseren Willen hinweg. Wenn wir unseren eigenen Willen haben und festhalten wollen, wird der Herr uns daran nicht hindern. Auf der anderen Seite wird er uns aber auch nicht immer eindeutige Anweisungen geben. Ihm geht es um unser Herz. Und indem wir im Gebet zu ihm kommen, öffnen wir ihm unser Herz. Das möchte er haben.
Als ich damals vor der Entscheidung stand, was ich studieren sollte, bin ich mit diesem Anliegen zum Herrn gekommen. Ich hatte zwei Möglichkeiten. Ich habe alles vor ihm ausgebreitet und auf seine Anweisung gewartet. Aber es gab keine klaren Hinweise vom Herrn. Schließlich realisierte ich, dass es für den Herrn egal war, für welches Studium ich mich entscheiden würde. Für ihn war es wichtig, dass ich mich mit ganzem Herzen für seinen Willen hingebe. Egal was ich studiere. Dieses Empfinden wurde so klar. Was nützt es, wenn er mir zu einem Studium rät und ich mich dann darin so verliere, dass ich keine Kapazität mehr für sein Anliegen hätte. Ich wäre nur am Studieren und hätte keine Zeit mehr für das Evangelium und das Gemeindeleben.
Genauso verhält es sich mit dem Berufsleben, der Karriere, der Ehe oder dem Familienleben. Was ist der richtige Beruf oder der richtige Ehepartner für mich? Wir sollten dafür beten, aber entscheidend ist meine Herzenshaltung. „Herr, bewahre mein Herz für Christus und die Gemeinde!“ Ich lebe nicht für meinen Beruf, sondern für den Aufbau des Leibes Christi. Dafür möchte ich meine Zeit und meine Kraft investieren. Das hat bleibenden Wert. Die Euros haben keinen bleibenden Wert, deine Arbeitsstelle auch nicht, deine Immobilie auch nicht. Wir wollen das sammeln, was zum ewigen Leben bleibt. Was nützt es, wenn du eine tolle Arbeitsstelle hast und dein Herz von der Arbeit eingenommen ist, so dass du keine Zeit mehr für die Versammlungen hast? Was hast du davon? Gib dich vielmehr für den Aufbau der Gemeinde. Der Aufbau ist umkämpft. Der Feind will uns davon abhalten. Daher ist es eine Gnade, dass wir die Zeit für die Versammlungen haben und gerne zusammenkommen.
Paulus betet weiter in Kolosserbrief dafür, dass die Herzen getröstet werden (Kol. 2:2). Trösten bedeutet auch zu ermutigen. Die Umstände mögen sich ändern, aber es geht immer um unser Herz. Ich möchte ein offenes Herz für die Geschwister haben. Auch wenn sie nicht so sind, wie ich es mir wünsche. Wir dürfen auch nicht anfangen wollen, die Herzen der Geschwister zu verändern, an ihnen zu arbeiten. Es geht um unser eigenes Herz. Hier muss der Herr sein Werk tun. Er will unser Herz trösten. Dafür haben wir den Geist empfangen. Der Heilige Geist wird auch als Tröster bezeichnet. „Aber der Tröster, der Heilige Geist, welchen der Vater senden wird in meinem Namen …“ (Joh. 14:26). Der Vater hat mit einer Absicht den Heiligen Geist als Tröster in unsere Herzen gesendet. Wir brauchen das! Auch sollen wir lernen, in Gemeinschaft den Geist einander darzureichen und nicht nur über Probleme zu reden. Wenn wir nur gute Ratschläge geben, aber den Geist nicht darreichen, wird die wahre Hilfe fehlen. Vielleicht kann ich keine Lösung finden, aber einander auffordern, unsere Herzen im Gebet dem Herrn zu öffnen und seinen Geist zu berühren. Wenn der Geist unsere Herzen erfüllt, werden wir auch die Liebe füreinander spüren. In dieser Liebe werden die getrösteten Herzen zusammengefügt. Dann kommt Christus durch uns zum Ausdruck. Sogar wird seine Fülle sichtbar. Gemeinsam werden wir zu seiner Fülle gebracht. Das ist seine Herrlichkeit.
Olaf Sommer
Mitteilung einer Wochenendkonferenz in Bonn vom 31. Oktober bis 03. November 2024